Die EnergieAgentur.NRW lud in Kooperation mit dem Genossenschaftsverband e. V. zur 5. Fachtagung Bürgerenergie & Energiegenossenschaften NRW nach Recklinghausen ein. Die Energiegewinner waren diesmal nicht nur als Gäste, sondern auch als Referenten vor Ort. Vorstand Ramon Kempt referierte zum Thema „Professionalisierung und Wachstum ohne Risiko für die Mitglieder“. Unterstützt wurde er dabei von Philip Hlawaty, der seit November als Manager Investor Relations für die Genossenschaft tätig ist.

 

Europa-Gesetze bieten Chancen

Nach verschiedenen Grußworten der Veranstalter stellte René Groß, Leiter Politik und Recht der Bundesgeschäftsstelle Energiegenossenschaften beim DGRV, die aktuellen rechtlichen Entwicklungen aus Berlin & Brüssel dar. Trotz der bevorstehenden EEG-Kürzungen und einiger negativer Gesetzesentwicklungen auf deutscher Ebene, will er der Branche positives mitgeben. Vor allem durch die europäische Gesetzgebung, die auch auf nationaler Ebene umgesetzt werden muss, entstehen seiner Meinung nach Chancen.

 

E-Carsharing-Modelle sind gefragt

Ein Hauptaugenmerk des Tages lag auf dem Thema E-Carsharing. Dazu wurde ausführlich über die Ausgestaltung von Carsharing-Modellen diskutiert. Neben der simplen Handhabung und den günstigen Preisen zeigte sich vor allem die alltägliche Wahrnehmung des Carsharing-Angebots als wichtiger Faktor. Diese Wahrnehmung sei notwendig, um Menschen an diese neue Form der „geteilten“ Mobilität zu gewöhnen und ihre vielfältigen Vorteile aufzuzeigen. Wichtige Partner beim Ausbau der notwendigen Ladesäulen-Infrastruktur sind Einrichtungen, die ein originäres Interesse daran haben, dass Menschen Zeit bei Ihnen verbringen. Hier kommen Restaurants, Schwimmbäder, Einkaufsgeschäfte u.v.m. in Frage.

 

Jetzt erst Recht: Energiegenossenschaften professionalisieren

Nach einer kurzen Kaffeepause war dann Ramon mit seinem Vortrag an der Reihe. Zunächst plädierte er unter der Prämisse – Jetzt erst recht! – dafür, trotz der anstehenden Kürzungen weiterhin Photovoltaikanlagen zu bauen. Dies sei unter diesen Rahmenbedingungen weiterhin möglich und vor allem notwendig, um die Energiewende in Bürgerhand erfolgreich umzusetzen. Dazu zeigte er unseren energiegenossenschaftlichen, oft ehrenamtlich organisierten Kollegen Wege auf, wie sie ohne Mitgliederkapital zu gefährden Wertschöpfung und Gewinn generieren können. Hilfeleistung dafür kann u.a. die Energiegewinner eG bieten. Mit zustimmendem Applaus und anstehenden Publikumsfragen beendete er seinen Vortrag.

Den Abschluss der Fachtagung bildeten drei parallel stattfindende Workshops mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten. Einer der Workshops behandelte dabei die Frage nach den Möglichkeiten der Professionalisierung von Energiegenossenschaften. Ein weiterer Workshop befasste sich mit der Strukturierung und Entwicklung neuer Geschäftsmodelle nach Canvas. Der dritte und letzte Workshop setzte sich mit den Chancen des Wachstums von Energiegenossenschaften auseinander.

Auf der Rückfahrt im Energiegewinner E-Auto „Ernie“ stellten Ramon und Philip zufrieden fest, dass die Fachtagung aus Energiegewinner-Sicht ein voller Erfolg war. Nach langen Jahren der Entwicklung von Geschäftsmodellen streben die Akteure der Bürgerenergie endlich vermehrt nach Professionalisierung und Wertschöpfung.